Von Bürgern, Asylanten und dem Jesuskind!

USA-Einwanderer auf Elis Island 1931 (Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-R17676 / CC-BY-SA)

 (Riesa, 27. November 2012 v. Burkhard Kiehm) Wenn man die Abneigung gegen die Unterbringung von Asylbewerbern als Beleg für eine rechtsradikale Gesinnung nehmen wollte, hätte der Landkreis Meißen insbesondere im Gebiet des Altkreises Riesa-Großenhain ein richtiges Problem.

Hat er aber nicht! Denn die ortsansässigen Asylantengegner entstammen überwiegend nicht den Reihen der rechtsextremen Ewiggestrigen, sondern dem tief demokratischen Lager. Und sie halten ihren Protest sogar für berechtigt.

Denn Riesa hat nur knapp 32.000 Einwohner, Gröditz gar nur fast 7.000 und auch Großenhain kommt über 20.000 Bürger nicht hinaus.

Nun stelle man sich vor, was diese unsere Bundesrepublik Deutschland diesen dünn besiedelten kleinstädtischen Einsiedeleien zumuten will:

Sollen doch tatsächlich 150 (in Worten: einhundertfünfzig) Ausländer, d.h. Menschen, die weder Deutsch noch Sächsisch verstehen (die mit Deutsch und nur ohne Sächsisch wären ja möglicherweise Wessis) und womöglich noch nicht einmal Christen oder, wie die meisten von uns, wenigstens ordentliche Heiden sind, also Asylbewerber, untergebracht werden.

 Nimmt es da Wunder, dass diese schöne bodenständige Region Kopf zu stehen scheint.

Erst traf es die Stadt Gröditz und ausgerechnet zur besten  nachrichtenarmen Zeit im Sommerloch. Einhundert Asylbewerber sollten kommen.

Dem Stadtrat der Röderstadt, deren größter Arbeitgeber, die Schmiedewerke, hochwertige Stahlerzeugnisse für die ganze Welt produziert, fiel hierzu vor Schreck erst einmal nichts besseres ein, als zu beklagen, er sei nicht rechtzeitig informiert worden.

Anschließend wurde eine Bürgerbefragung organisiert, die außer vielleicht der NPD niemandem nutzte und so endete, wie solche Sachen immer enden. Zu Wort gemeldet hatten sich eigentlich nur die Bürger, die, aus welchen Gründen auch immer, dagegen waren und die hatten dann auch logischerweise gewonnen.

Aber für Gröditz gilt wohl nun:  Ende gut, Alles gut. Nach langwierigen Gesprächen und Diskussionsrunden scheint sich dort die kochende Volksseele beruhigt und der Verstand, auch in fiskalischer Hinsicht, wieder eingesetzt zu haben.

Wie Bürgermeister Jochen Reinicke verlauten ließ, wird die stadteigene Gröditzer Wohnungsgesellschaft nun ordentlichen Wohnraum für wenigstens Fünfzig der Asylbewerber zur Verfügung stellen.

Im Gegensatz zu den Gröditzern zeigte sich die Verwaltungsspitze der Großen Kreisstadt Riesa, wie es sich für eine weltoffene Sportstadt gehört, den Fremdlingen gegenüber durchaus aufgeschlossen und bot spontan an die Hälfte der ursprünglich für Gröditz bestimmten Asylbewerber, also die anderen Fünfzig, zu übernehmen.

Nur hier saß und sitzt der Teufel im Detail. Kaum war die beabsichtigte Unterbringung in einem leer stehenden der städtischen Wohnungsgesellschaft gehörenden ausreichend dimensionierten Gebäude neben der Kirche im Stadtteil Pausitz bekannt, beklagten die dortigen Anwohner ein Abwasserproblem.

Weil der Abwasserkanal seit Jahr und Tag ziemlich marode und wohl durch die fortgeschrittene Oberflächenversiegelung durch neue Eigeheimstandorte inzwischen auch zu klein ist, kann es nämlich passieren, dass die Kanalisation bei Starkregen die Wassermassen nicht fassen kann und überläuft.

Und fünfzig zusätzliche Asylbewerber, so stand es dann in unserer Heimatzeitung, würden diese Situation über Gebühr unzumutbar verschärfen. Als ob alle fünfzig Asylanten bei Starkregen gemeinsam duschten und aufs Klo gingen.

 Die Riesaer wollen das Problem ja gerne lösen. Aber weil der Landkreis Meißen der armen Riesaer Stadtkasse bei den Kosten zur Beseitigung dieses unverschuldet ausländerfeindlichen Abwasserproblems nicht finanziell unter die Arme greifen will, ist im Moment alles wieder offen.

Zur Ehrenrettung der Riesaer muss noch gesagt werden, dass ein vor Wochen aufgetretenes böswilliges Gerücht nicht bestätigt werden konnte. Diesem Gerücht zufolge habe es im Hinblick auf den neben der Pausitzer Kirche in der Nähe des angedachten Asylantenheimes liegenden Friedhof bei einzelnen Mitgliedern des zuständigen Kirchenvorstandes Bedenken gegeben, etwaige muslimischen Asylbewerber könnten möglicherweise die dortige Totenruhe stören.

Und nun erwischt es auch noch, um das Maß voll zu machen und als ob diese Gegend mit Tornados nicht schon genug gestraft wäre, unsere ehemalige Kreisstadt Großenhain. Und wieder sind es Fünfzig.

In Großenhain aber ist die Situation besonders prekär. Denn die dortige Asylantenunterbringung ist, wie es scheint, ein „Privatgeschäft“ zwischen dem Landkreis Meißen und dem Eigentümer des früheren Hotels „Stadt Dresden“. Die Stadt und die Bürger können zunächst nur zuschauen.

Der Hotelier, der zu seinem Glück nicht in Großenhain wohnt, hatte in besseren Zeiten einen Hotelbau mit 30 Zimmern errichtet. Und das im besten Wohnviertel „Am Kupferberg“, sozusagen dem „Weißen Hirsch“ von Großenhain.   Weil der Laden nicht mehr lief, hat er ihn nun, ganz skrupelloser Geschäftsmann, natürlich ohne die Nachbarschaft zu fragen, für 2 Jahre an den Landkreis verpachtet. Für die Unterbringung der 50 Asylbewerber.

Und so haben die braven Bürger vom Kupferberg, weit weg von jeder rechten Ideologie und nur in Sorge um eigen Leib und Leben und den Wert ihrer Häuschen, nun schon 800 Unterschriften gesammelt. (Sächsischen Zeitung vom 27.November)

Natürlich gegen die Unterbringung der Asylbewerber. Und prozessiert  soll auch noch werden. Na denn!

Und dem einen oder anderen, der sich an jene uralte Geschichte erinnert, die jedes Jahr am 24. Dezember wieder aufgewärmt wird, ist vielleicht jetzt klarer, warum Maria und Josef in der Fremde keine Herberge fanden und das Jesuskind in einem Stall bei Ochs und Esel zur Welt kam.

Heiliger Sankt Florian, schütz unser Haus, …. !

Kurz URL: http://www.riesa-lokal.de/?p=7567

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