Eine Führung mit der Nudel-Fee von Riesa

Nudelgerichte stehen laut dem „Ernährungsreport 2016“ ganz oben auf der Liste der Lieblingsessen der Deutschen. Der Klassiker Spaghetti Bolognese nimmt dabei die Spitzenposition ein. Doch wie werden Nudeln eigentlich hergestellt? In einer Nudelfabrik in Riesa können Besucher und Nudel-Fans sich von der dortigen Nudel-Fee Beate Lehmann durch die heiligen Hallen führen lassen und so einiges erfahren. Wir waren bei einer Führung dabei.

Ein Teller Spaghetti Bolognese auf einem Holztisch

Spaghetti Bolognese ist laut dem „Ernährungsreport 2016“ das Lieblingsgericht der Deutschen. Bildquelle: Oksana Mizina – 579648787 / Shutterstock.com

Die Entstehung der Nudel

Das Lieblingsgericht der Deutschen ist laut dem „Ernährungsreport 2016“ Spaghetti Bolognese. Allgemein rangieren Nudelgerichte ganz oben auf der Rangliste. Wann und wer die Nudel genau erfunden hat, ist bis heute strittig. Klar ist, die Geschichte der Nudel begann spätestens in der Antike und Italien und China streiten sich noch heute darum, in welchem Land sie zuerst auf den Teller kam.

Der Teig, meist auf der Basis von gemahlenem Getreide, findet unter anderem weltweit so große Zuneigung, da er unzählige Kreationsmöglichkeiten bei der Zubereitung ermöglicht. Allein die Nudelvarianten sind gigantisch. Die bekanntesten Formen sind zum Beispiel:

  • Spaghetti
  • Fusilli
  • Girandole
  • Makkaroni
  • Penne
  • Tagliatelle

Wer sich für die Entstehung der Nudel interessiert, der kann in der Nudelfabrik in Riesa einmal hinter die Kulissen gucken. Seit 14 Jahren erhalten Besucher mittels einer Führung durch das Werk einen Einblick in die Herstellung der Lieblingsspeise der Deutschen. Beate Lehmann führt seit der Anfangszeit regelmäßig Besucher durch das Teigwaren-Werk in Riesa. Auch nach so langer Zeit ist sie immer noch mit Freude dabei und versicherte uns, dass sie Nudeln immer noch gerne isst. Außerdem fiele ihr spontan auch niemand ein, der Nudeln nicht mag.

Die Führung verläuft durch die gesamten Produktionsstationen des Werkes. Eine „Nudel-Führung“ gab es bis zu ihren Anfangstagen noch nicht, deswegen war ein Vergleich schwierig. Dennoch baute sie den Rundgang sowie sämtliche Informationen nach ihren eigenen Vorstellungen auf. „Auch heute verändere ich aber meinen Text immer wieder und versuche die Führung immer spannender zu gestalten“, erzählt Beate Lehmann.

In Riesa ist die 42-Jährige mittlerweile als die „Nudel-Fee“ stadtbekannt, stellt sich sogar selber so vor. Neben dem Werk führt der Rundgang auch durch das Nudel-Museum sowie in den kleinen Laden vor Ort. Auch das angeschlossene Restaurant ist einen Besuch wert. Nudel-Burger und andere außergewöhnliche Kreationen können die Gäste hier speisen. Manch einer mag da schnell auf verrückte Ideen für sein eigenes Restaurant kommen.

Allerdings lässt sich die Selbständigkeit in der Gastronomie ohne günstiges Fremdkapital nicht verwirklichen. „Die hohen Risiken, die der Branche anhaften, auch wegen dem Überangebot in Großstädten, den hohen Betriebskosten und oftmals unzureichenden Qualifikationen von Mitarbeitern ergeben meist wenig attraktive Kreditkonditionen. Gründern wird daher oft geraten, sich im Internet nach günstigen Kreditkonditionen umzusehen“, erklärt ein Gastronom aus Riesa, der sein Geschäft erst kürzlich gegründet hat – und übrigens auch Pasta-Gerichte anbietet, natürlich bestehend aus Nudeln aus der Nudelfabrik.

YouTube-Video – Video: So verrückte Gerichte lassen sich aus Nudeln zubereiten

Kleine Rätsel

Als Beate Lehmann mit den ersten Führungen anfing, war das Nudelwerk noch eine Baustelle. Es gab kein Museum und in der Nacht zuvor wurden noch die Regale befüllt. Mittlerweile gibt es sogar besondere Veranstaltungen wie die Nudel-Nacht. Auch für die Mitarbeiter war es eine Umstellung: „Die mussten sich daran gewöhnen, dass sie angestarrt werden wie im Tierpark“, sagt die Nudel-Fee mit einem Grinsen. Mittlerweile sind es rund 150 Mitarbeiter, die sich auf das 1914 gegründete Werk und ein 2008 hinzugekommenes Werk aufteilen. Die Produktion umfasst über 100 verschiedene Produkte.

Um die Führung ein wenig aufzulockern, spielt Beate Lehmann immer mal wieder kleinere Ratespiele. „Wieviel 500 Gramm Packungen entstehen bei der Tagesproduktion von 100 Tonnen Nudeln?“ Nur eine gefühlte Millisekunde später schallt schon die Antwort aus der Besuchergruppe: „200.000!“ Derartige Fragen binden die Besucher in die Führung mit ein und lockern sie auf, deshalb nutzt die Nudel-Fee das gerne.

Kommt man gerade aus dem zu Beginn gezeigten Werbefilm, der doch deutlich zu lang geraten ist, ist das eine nette Abwechslung. Denn der Film beantwortet zwar zahlreiche Fragen zu der Herstellung und den Produkten, selber Fragen zu stellen ist jedoch um einiges interessanter. Eine Gruppe fällt dabei besonders auf: „Besonders Kinder fragen mir Löcher in den Bauch“, sagt Beate. Doch die Neugier der Kinder mag sie gerne. „Nach einer Führung ist mal ein Kind ganz von selbst auf mich zu gerannt, hat mich gedrückt und gesagt ‚das war das Schönste, was ich je erlebt habe‘“, erzählt sie sichtlich gerührt.

Kurz vor den Produktionshallen werden die Gäste dann hygienisch verpackt. „Ich bring sie jetzt mal unter die Haube“, witzelt die Nudel-Fee, während sie die Gäste mit Schutzkleidung und Haarnetzen ausstattet. Bevor die Gruppe dann eintritt, erfolgt aber noch eine Warnung: „Drinnen wird es heiß, das ist nichts für Leute mit Herz- und Kreislaufproblemen.“ Die Spannung steigt.

Typischer Vorführeffekt

Der Rundgang besitzt natürlich den typischen Vorführeffekt. Beim Betreten wundern sich die Gäste, dass die Produktion vollständig stillsteht. „Das ist alles live“, versucht Beate Lehmann die Situation aufzuklären. Bis eben wären noch Spaghetti durch den Aufzug gefahren, da jetzt eine andere Nudelsorte hergestellt werden würde, müsse kurz umgebaut werden. Nach nur wenigen Schritten durch das Werk geht es dann auch direkt los mit den laufenden Produktionsstätten.

Tafeln an den Maschinen geben den Besuchern verschiedene Produktionsinformationen. Sichtfenster an den Maschinen geben einen Einblick in das Innerste der Nudelfabrik. Zusätzlich erklärt die Nudel-Fee via festen Mikrofonen an einigen Punkten den Ablauf der Herstellung. Mit tragbaren Mikrofonen hätten sie es auch schon probiert, doch Rückkopplungen hatten die Verständigung massiv erschwert.

„Es kann sowieso nicht immer alles glatt laufen“, hatte auch die Nudel-Fee schon mehrfach erkennen müssen. Auf einer sich in der Nähe zum Werk befindenden Baustelle wurde mal ein Kabel gekappt, was zu einem kompletten Stromausfall geführt hatte. Doch auch von derartigen Umständen lässt sich die Nudel-Fee nicht beeinflussen: „Ich bin dann mit den Leuten trotzdem durch den Laden getapst.“ Eine echte Nudel-Fee kennt halt keine Hindernisse.

Bildquelle: Oksana Mizina – 579648787 / Shutterstock.com

Kurz URL: http://www.riesa-lokal.de/?p=22846

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