Noch mehr Sicherheit für die Wiesn 2017

Bald ist es wieder soweit – die Wiesn-Zeit ist nah. Am 16. September öffnet das beliebte Münchner Oktoberfest erneut seine Tore. Nachdem im letzten Jahr die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Volksfest erhöht wurden, setzen die Behörden auch dieses Mal wieder auf verbesserte Konzepte, um die Unversehrtheit der (meisten) Besucher zu gewährleisten. Welche Neurungen es gibt und was für Auswirkungen das für die Feiernden hat, erfahren Sie hier.

Trinkende Menschen in einem Bierzelt auf dem Münchner Oktoberfest

Auch dieses Jahr werden wieder rund sechs Millionen Besucher auf dem Oktoberfest erwartet. Für die Sicherheitskräfte stellt dies eine große Herausforderung dar. Bildquelle: tichr – 397852789 / Shutterstock.com

2016 kamen „nur“ 5,6 Mio. Besucher auf das Oktoberfest. In erster Linie lag das am Wetter, das an einigen Tagen weniger Besucher anlocken konnte. Am Sicherheitskonzept der Behörden lag dies eher nicht, wurden doch die verstärkten Maßnahmen von den meisten Besuchern mit Wohlwollen wahrgenommen. Laut der Münchner Polizei begrüßten die meisten Festbesucher die neu eingeführten, stichprobenartigen Einlasskontrollen und die höhere Präsenz der Beamten und Ordner vermittelte ihnen Sicherheit.

Auch dieses Jahr wird es wieder einen Zaun an den offenen Stellen des Oktoberfestes sowie Kontrollen an den Eingängen geben. Beschlossen ist auch eine Fortführung des Verbots für Rucksäcke und große Taschen. Aber selbstverständlich werden auch dieses Jahr die Sicherheitskonzepte überarbeitet und verbessert.

Kleine Verbesserungen in diesem Jahr

Dafür soll unter anderem eine optimierte Videoüberwachung sorgen. Zusätzlich werden die Polizeibeamten erstmals mit Bodycams ausgestattet. Das berichtete Innenminister Joachim Herrmann von der CSU am 12. Juli im Landtag.

So werden von den über 30 auf der Wiesn installierte Videokameras zehn durch neue Kamerasysteme ersetzt. Diese sollen dank hochauflösender Bilder und einem Erfassungswinkel von 360 Grad die Verfolgung und Identifizierung von Straftätern erleichtern. Mit den Kameras wird zwar ein großer Teil des Volksfestes per Video überwacht, die Polizisten vor Ort werden dies aber dennoch mit modernen Kameras, die am Körper getragen werden, unterstützen.

Dadurch kann genau dokumentiert werden, was sich im Blickfeld der jeweiligen Beamten abspielt. Zusätzlich kommt es zu einem Abschreckungseffekt, weil dem Gegenüber des Polizisten klar ersichtlich ist, dass er gefilmt wird. Die meisten Querulanten unter den Besuchern werden dadurch ihre Handlungen eher zweimal überdenken.

Für die Betrunkenen, denen jeglicher Bezug zur Realität abhandengekommen ist, gilt dies wohl eher nicht. So sieht es auch Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer, der deshalb keine hundertprozentige Erfolgsstory der Bodycams erwartet: „Betrunkene werden sich auch durch eine Bodycam nicht eines Besseren besinnen.“ Aber auch wenn die Kameras nur einen kleinen Teil von Delikten verhindern oder aufklären können, ist dies schon als Erfolg zu werten.

Digitale und humane Unterstützung

Aber damit nicht genug der digitalen Unterstützung für die Polizisten. Darüber hinaus wird noch ein neuer Messenger-Dienst für die Polizei verwendet, der es den Beamten ermöglicht, Fotos und Videos zu übertragen, um Tathergänge und Verdächtige festzustellen. Im Vorjahr gab es bereits erste Tests mit dieser Technik mit zufriedenstellenden Ergebnissen. In Mittelfranken wird der neue Polizei-Messenger übrigens seit Mai in einem Pilotprojekt flächendeckend eingesetzt.

Bei der Sicherung der Besucher wird die Polizei überdies von zahlreichen privaten Sicherheitskräften unterstützt. Im Jahr 2016 wurde auch aufgrund der allgegenwärtigen Terrorgefahr die Ordnerzahl von 150 auf 450 aufgestockt. Hier soll die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und den privaten Sicherheitskräften verbessert werden. Da dieselbe Sicherheitsfirma wie 2016 für diesen Zweck eingesetzt wird, kann auf der Beziehung aus dem letzten Jahr aufgebaut werden.

Dass die Behörden mit ihren Sicherheitskonzepten und deren Verbesserung auf dem richtigen Weg sind, zeigen auch die Zahlen der Münchner Polizei. Die Gesamtzahl der Delikte ging 2016 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 15 Prozent zurück. 1.067 Vergehen wurden auf der letzten Wiesn gemeldet. 2015 waren es noch 1.261. Darunter waren folgende Delikte:

Art des Vergehens

2015

2016

Gefährliche Maßkrugschlägereien

52

42

Taschendiebstähle

300

203

Sexualdelikte

21

31

Widerstand

9

22

Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz

238

238

Tabelle: Delikte auf dem Oktoberfest

Neben dem verbesserten Sicherheitskonzept war natürlich auch das geringere Besucheraufkommen auf dem Münchner Oktoberfest für einen Rückgang der Vergehen verantwortlich. Dennoch ist auch aufgrund der latenten terroristischen Bedrohungen ein derartiges Verstärken der Sicherheit unabdingbar.

Hier helfen größtenteils bereits das Rucksackverbot sowie die Eingangskontrollen gegen Bombenanschläge. Amokfahrten auf dem Gelände sind ebenfalls schwerlich möglich, da das Festgelände seit 2011 mit 180 Hochsicherheitspollern, die bei Bedarf hochgefahren werden, abgesichert ist.

Erhöhte Kosten für die Besucher?

Diese zahlreichen Neurungen müssen natürlich bezahlt werden, was auch Fragen der Finanzierung aufwirft. Der Zaun, die neue Überwachungstechnik, die Einlasskontrollen und das zusätzliche Personal führen zu einem erheblichen Anstieg der Kosten. Allein die Kosten für den Einsatz von Sicherheitspersonal sind 2016 im Vergleich zum Vorjahr von 5,5 Mio. Euro auf 10 Mio. Euro angestiegen. Der Wiesn-Chef und zweite Bürgermeister Josef Schmidt, ebenfalls von der CSU, hat hier bereits einige Gedankenspiele verlauten lassen:

  • Einführung einer Sicherheitsgebühr von einem Euro pro reserviertem Wiesn-Platz
  • Erhöhung der Standgebühren
  • Erhöhung des Eintrittspreises für die Oide Wiesn von drei auf vier Euro

Um die Besucher nicht zu sehr zu schröpfen, hat Schmidt außerdem versucht, den Bierpreis auf dem größten Volksfest der Welt mit einer Höchstgrenze zu versehen. Sein Plan, den Preis auf 10,70 Euro pro Maß zu begrenzen, ist vor dem Münchner Stadtrat jedoch gescheitert. Daher dürfen auch dieses Jahr die Wirte die Preise selbst bestimmen.

Diese liegen je nach Bierzelt zwischen 10,60 Euro und 10,95 Euro. Im letzten Jahr lag die Spanne noch zwischen 10,40 Euro und 10,70 Euro. Diese Entwicklung ist aber nicht ungewöhnlich, da die Preise jedes Jahr anziehen. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 kostete ein Maß Bier noch unter sieben Euro.

Wer auf der Wiesn alkoholfreie Getränke trinken möchte, ist selbst schuld und wird ebenfalls ordentlich zur Kasse gebeten. Die durchschnittlichen Preise von einem Liter Tafelwasser liegen bei 8,73 Euro, Softgetränke schlagen mit 9,60 Euro zu Buche. Mit ausreichend Bargeld in der Tasche heißt es also bald wieder: O’zapft is!

Bildquelle: tichr – 397852789 / Shutterstock.com

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