Alle reden von der Inflation – Ökonomie verständlich erklärt

Wenn es um die Inflation geht, ist die Sorge gleich groß. Man denkt an die Geldentwertung der 1920er Jahre, an Schubkarren voller Scheine, die kaum ausreichen, um ein Brot zu erwerben. Wie genau Inflation zustande kommt, was mit dem Begriff gemeint ist und welche wirtschaftlichen Folgen damit verbunden sind, ist weniger bekannt.

Inflation kurz erklärt

Ganz grob zusammengefasst meint Inflation, dass die gleiche Menge Geld plötzlich weniger Kaufkraft besitzt. Zum Beispiel: Für zehn Euro bekommt man einen Apfel, eine Flasche Cola, ein Pfund Brot und dazu noch ein Stück Wurst. Wenn man eine Woche später nur noch eine Apfel, eine Flasche Cola und ein Pfund Brot für die zehn Euro bekommt und noch einmal eine Woche später nur noch den Apfel und die Cola, dann sind die Produkte zwar alle noch verfügbar und das Geld ist ebenfalls da, aber für die gleiche Menge Geld können weniger Produkte gekauft werden.

Nicht mit Produktteuerung verwechseln!

Wie genau sich der Wert des Geldes entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits spielt die Verfügbarkeit von Waren in Relation zu der Nachfrage eine Rolle. Andererseits ist wichtig, wieviel Geld von den Notenbanken ausgegeben und in Umlauf gebracht wird. Kann man sich für die erwähnten zehn Euro weniger kaufen, kann das auch daran liegen, dass eine bestimmte Klasse von Produkten einfach nur teurer geworden ist. Das passiert bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen aufgrund der Wetterlage oder in Zusammenhang mit Seuchen und Krankheiten. Im Bereich von Handelsgütern, die aus anderen Ländern eingeführt werden, können auch veränderte Zollbestimmungen, die aktuelle politische Lage der Länder oder ähnliches eine Rolle spielen. Bei Mineralien und Metallen sowie fossilen Brennstoffen sind auch die Verfügbarkeit innerhalb der bekannten Fördergebiete wichtig. Ist eine Mine erschöpft oder eine Quelle unbrauchbar geworden, steigt erst einmal der Preis, bevor neue Möglichkeiten der Förderung gefunden sind.

Diese Produktverteuerungen haben mit Inflation aber nichts zu tun. Sie sind ganz normale Schwankungen des Marktes. Von Inflation spricht man erst, wenn alle Bereiche des täglichen Lebens betroffen sind. Inflation betrifft also nicht nur den Lebensmitteleinkauf, sondern auch Versicherungsprodukte, Mieten, Energiekosten, Kosten für Bildung und Kultur und alles andere. Wenn die Kosten auf allen Gebieten steigen, kann es sich um Inflation handeln. Festgestellt wird die Preisentwicklung, indem die 750 wichtigsten Konsumgüter in Deutschland über viele Jahre hinweg in ihrer Preisentwicklung erfasst werden. Dabei werden die verschiedenen Produktgruppen unterschiedlich stark gewertet. Der imaginäre Warenkorb wird außerdem immer wieder an die aktuellen Bedürfnisse und Entwicklungen angepasst. So wurden beispielsweise Floppys, Disketten, Musik- und Videokassetten nach und nach durch zeitgenössische Produkte ersetzt. Dementsprechend muss auch immer das Basisjahr, zu dem der Bezug hergestellt wird, verändert und angepasst werden.

Und wie kommt es nun zur Inflation?

Keine Notenbank denkt sich: Wir machen jetzt mal eben Inflation und drucken mehr Geld. Obwohl die Entstehung einer Inflation genau da zu suchen ist. Seit der Finanzkrise 2008 wird in Deutschland aufgrund der immer größeren in Umlauf gebrachten Geldmengen vor Inflation gewarnt. Allerdings ist es bislang bei der Warnung geblieben, gekommen ist die Inflation bislang nicht.

Diese vereinfachte Erklärung ist zwar verständlich, aber fehlerhaft. Denn die Zentralbank steuert die Geldmenge im Umlauf nicht willentlich. Außerdem bedeutet eine erhöhte Geldmenge nicht , dass jeder plötzlich einfach mehr Geld hat und das auch ausgeben kann. Wird die Geldmenge im Umlauf erhöht, bedeutet das erst einmal nur, dass die Banken mehr Geld als Kredit geben können und das eventuell auch tun. Falls ausreichend Eigenkapital vorhanden ist. Betrachtet man die reine Geldmenge, die in der Eurozone im Umlauf ist, sollte man sich in Europa wirklich Sorgen machen: Sie hat sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt, was einem jährlichen Anstieg von etwa 6 % entspricht. Würde man das mit der oben genannten, stark vereinfachten Erklärung zusammenbringen, müsste die Inflationsrate bei 6 % liegen. Tut sie aber nicht, sie liegt bei konstant 2 % bis 3 %. In die Entstehung der Inflation spielen also auch andere Faktoren: Sowohl die Verfügbarkeit von Rohstoffen als auch Arbeitskraft und Löhne, die zur Verfügung stehenden Produktionsmittel, Energie- und Kapitalkosten müssen ebenfalls eingerechnet werden.

Kurz URL: http://www.riesa-lokal.de/?p=22817

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